Tourenberichte

Berliner Höhenweg (9 Tage)

Vor dem ausführlichen Bericht eine subjektive Kurzzusammenfassung für diejenigen, die Informationen suchen, weil sie die Tour selber gehen wollen:

 

Schwierigkeit – Anforderungen: Es gibt zwei lange Etappen zu bewältigen und zwar von der Gamshütte zum Friesenberghaus und von der der Kassler Hütte zur Edelhütte (beide ca.  8 Stunden). Die Etappe von der Kassler Hütte zur Edelhütte (auch der Aschaffenburger Höhenweg genannt)erfordert gute Trittsicherheit. Warum? Mit weniger Trittsicherheit ist die Tour sicherlich auch zu bewältigen, dann geht aber jede Menge Zeit verloren, wenn im Blockschutt jeder Schritt erst gesucht werden muss. Bei feuchter Wetterlage ist gerade in dieser Etappe auf die rutschige Landkartenflechte (gelbliche Muster auf Steinen) auf Steinen zu achten. Die Etappe von der Gamshütte zum Friesenberghaus ist technisch unschwierig, jedoch eher konditionell anfordernder. Bei der Überschreitung des Schönbichler Horns, der Mörchenscharte sowie zwischen Kassler Hütte und Edelhütte gibt es seilgesicherte Passagen. Bei guten Bedingungen sind sie problemlos ohne Klettersteigset bewältigbar (Anm. Vorsicht, dies ist mein subjektiver Eindruck! Jeder muss für sich selber einschätzen wie diese Informationen verwendet werden. Es handelt sich nicht um verbindliche Auskünfte bzw. Eindrücke). Der Rest des Höhenweges bewegt sich im „normalen“ aber alpinen Bergwanderbereich.

 

1. Tag. (4. September 2010) Finkenberg – Gamshütte

Aufstiegstag! In Finkenberg starten wir. Wir parken am Sporthotel in der Kehre unterhalb der Seilbahn. Es ist bewölkt und relativ kühl für Anfang September. Zumindest für den Aufstieg optimales Wetter. In Serpentinen geht es durch den Wald stetig bergauf. Hin und wieder kreuzen wir die Forststraße. Mit etwas mehr Zeit wäre eine Pilzmahlzeit gesichert, denn davon gibt es hier reichlich. Weiter oben lichtet sich der Wald und der Blick schweift ins Zillertal Richtung Mayrhofen. Im letzten Drittel kommt eine flachere Passage. Schließlich kommt eine Materialseilbahn in Sicht. Von dort aus geht es noch wenige Meter hinauf zur Gamshütte. Leider sind alle Plätze reserviert, so dass wir warten müssen bis Reservierungen herausfallen. Uns ist das egal. Wir gönnen uns die Halbpension und unterhalten uns mit der Gruppe der DAV-Sektion Aschaffenburg. Schließlich bekommen wir Plätze im Außenlager und die erste Übernachtung ist gesichert.

2. Tag (5. September) Gamshütte – Friesenberghaus

Mit dem reichhaltigen Halbpensionsfrühstückbuffet im Bauch schnüren wir die Bergstiefel und wagen uns an den Einstieg zum Aufstieg in die 14 km lange Tagesetappe. Das Wetter ist uns freundlich gesonnen. Es verspricht ein sonniger Tag zu werden, gut das wir vorher Sonnenschutz aufgelegt haben. Nach ca. 200 Höhenmeter Aufstieg geht es am Hang entlang. Anspruchsvoll sind die schneebedeckten Passagen, der schmale Pfad erweist sich als nicht so schwierig wie angekündigt. Trotzdem ist der Weg oft ziemlich matschig. Die Schwere der Tour besteht eindeutig in der Länge und nicht am Anspruch des Weges. Die Zeit ist gerade ideal für die Heidelbeerernte. Preiselbeeren gibt es auch, aber nicht so viele wie Heidelbeeren. Zudem blüht die Heide gerade hier oben. Die Stimmung ist trotz der gezuckerten Gipfel um uns herum spätsommerlich schön.

Ständig geht es auf und ab, sogar Wegweiser für die nächsten “Notabstiege” tauchen ständig auf, für den Fall, dass man von einem Unwetter überrascht wird. Auf der Halbzeit der Tour sehen wir plötzlich eine bewirtschaftete kleine Hütte, die Pitzenalm, vor uns. Wir lassen es uns nicht nehmen eine Holunderschorle zu trinken, bevor wir weiter ziehen. Das Wetter hält sich und ein schöner Ausblick jagt den anderen. Nach zwei Drittel des Weges wird es etwas anstrengender. Das ständige Auf und Ab macht sich bemerkbar. Doch wir liegen gut in der Zeit pausieren regelmäßig. Einmal bei schönen Steinmännchen, das andere Mal am Wesendlekarsee der fast spiegelglatt da liegt. Als wir den Weg sehen, der vom Breitlahner heraufkommt ist es nicht mehr weit zur Hütte.

3. Tag (6. September) Friesenberghaus – Hoher Riffler – Friesenberghaus – Olperer Hütte

Wir haben beschlossen, es nicht wie die meisten hier zu machen und die Olperer Hütte zu überspringen. Sondern wir wollen ein Gipfel mitnehmen. Da bietet sich der Hohe Riffler geradezu zu an. Wie wir am Vortag erfahren haben, ist sogar ein Weg zum Gipfel gespurt. Drei Polen haben sich durchgeschlagen, da nach dem reichlichen Neuschnee noch niemand wieder oben war. Mit Tagesgepäck starten wir. Am Sattel des Petersköpfl tauchen dann die Skulpturen auf, in Form von aufgestellten Steinplatten. Auch weiter oben Richtung Riffler begegnet uns noch ein Feld dieser Platten, die schön anzusehen sind, wie sie so aus dem Schnee auftauchenden. Eine willkommene Abwechslung in dieser Landschaft. Je höher wir kommen desto mehr mehr Schnee liegt. Die Polen haben jedenfalls ganze Arbeit geleistet. Da dürfen wir uns auch nicht beschweren, wenn sie direkt hoch gespurt haben. Der Normalweg hätte wahrscheinlich ein paar Kehren mehr gehabt. Zum Teil wird es uns schon etwas mulmig an einigen Passagen im Aufstieg, da wir ja an der gleiche Stelle auch wieder runter müssen. Es stellt sich später jedoch heraus, dass die Sorge unbegründet war, da uns raufwärts einfach schon ein wenig die Luft gefehlt hat, da der direkte Weg einfach kraftraubend ist. Anstrengend ist, dass es aufgrund des Weges nicht gelingt in einen Trott zu kommen, immer wieder gibt es große Stufen zu bewältigen, bei denen es ohne Hände nicht geht. Die Aussicht am Gipfel ist super. Auf der Südseite vom Olperer Südseite staut sich der aufsteigende Nebel und versucht über den Kamm zu kommen, was ihm allerdings nicht gelingt. Der Blick Richtung Norden dafür ist relativ frei.

Der Abstieg verläuft erstaunlich unspektakulär. Auf der Hütte später belohnen wir uns mit einer Kaspressknödelsuppe und Apfelstrudel mit Sahne, dazu gibt es Hollunderschorle. Was danach folgt, ist nicht schön. Die paar Meter Aufstieg Richtung Olperer Hütte sind mit einem derart gefüllten Bauch eine Qual. Also lieber öfter und dafür weniger essen. Leichter gesagt als getan wenn es so lecker ist! Die folgende Geschichte will auch erzählt werden. Im Aufstieg begleitet uns eine Dame mit Tagesrucksack. Nach ihrem Ziel gefragt sagte sie, sie will zur Olperer Hütte. Na gut dachten wir dann sehen wir uns ja später, da wir sie aus den Augen verloren. Wir sahen sie nur noch kurz als uns jemand entgegenjoggte, ja richtig gelesen entgegenjoggte. Naja, heutzutage ist das ja nichts besonderes mehr zu Zeiten von Speedhiking, verstehen tue ich es trotzdem nicht. Sonderbarerweise joggte der junge Kerl bis zu Dame und kehrte dann um. Was wohl der Sinn des Ganzen war? Das Rätsel löste sich später, denn die Dame hatte ihren Geldbeutel auf der Olperer Hütte vergessen und er wurde ihr gebracht. Die hatte uns doch glatt angelogen! Sie wollte wohl nicht, dass wir erfahren, das sie was vergessen hatte. So viel zur Ehrlichkeit auf dem Berg! Der Weg zur Hütte war eher Genusswandern, schön das kein allzu großes Auf und Ab mehr kam, denn irgendwann macht sich der absolvierte Gipfelausflug doch bemerkbar.

Die Olperer Hütte selber ist die Schau. Schlicht, modern designed und alles durchdacht, vor allem wenn man die alte Hütte noch kennt. Nichts ist hier dem Zufall überlassen worden. Kompliment! Von warmen Duschen und sogar warmen Wasser zum Waschen gab es alles was das Herz begehrt. Auch der beheizte Trockenraum wurde nicht vergessen. Spektakulär der Gastraum mit seinen beiden riesigen Panoramafenstern die den Blick zum Schlegeisspeicher freigeben. Die Modernität der Hütte spiegelt sich auch auf der modern gestalteten Speisekarte wieder. Klassiker aber auch zeitgemäße Küche und das ganze zum Teil mit Produkten aus der Region zubereitet.

4. Tag (7. September) Olperer Hütte – Schlegeisspeicher – Furtschaglhaus

Nach dem Frühstückbuffet am morgen (sehr lecker), packen wir seelenruhig alles ein und bereiten uns auf die kurze Tagesetappe vor. Heute besteht kein Grund zur Eile. Das ist auch mal schön. So haben wir genug Zeit die Helikopterbelieferung der Hütte zu bestaunen. Für alle Beteiligten Routine, das merkt man bei jedem ausgeführten Handgriff. Am Schlegeisspeicher kehren wir ein, essen, was auch sonst, eine Kaspressknödelsuppe. Schließlich werden wir doch noch für die Trödelei bestraft, denn je näher wir dem Aufstieg zum Furtschaglhaus kommen, desto näher kommt die weithin sichtbare Regenwand. Hätten wir uns beeilt, wären wir vielleicht noch trockenen Fußes zur Hütte gekommen. Naja, was soll es, wir tragen es mit Fassung, was bleibt uns denn anderes übrig. Zudem bekommt Gregor Kopfschmerzen, was unserer Aufstiegsgeschwindigkeit nicht gerade fördert. So testen wir, was unser Material taugt. Auf der Hütte vermerken wir: das Material hat den Regentest bestanden.

5. Tag (8. September) Furtschaglhaus – Schönbichler Horn – Berliner Hütte

Die Kopfschmerzen von Gregor haben sich wieder gelegt und wir bereiten uns für den Tag vor. Wir sind extra früh aufgestanden um ein frühes Schönwetterloch erwischen. Es sieht zwar nicht sehr wirtlich aus vor der Tür da es leicht nieselt, doch der Wind kommt fönig warm aus Süd, und die Temperaturen lassen darauf hoffen, dass kein Frost am Schönbichler Horn herrscht. Warum unser Tischnachbar vom Vortag das Wetter mies macht verstehen wir nicht. Später erfahren wir, dass sie sogar abgestiegen sind. Die Bedingungen könnten besser sein, für die Jahreszeit sind sie jedoch völlig in Ordnung. Schönwetterwandern gibt es halt doch nur im Juli und August. Um 6:20 brechen wir auf und stellen fest, je höher wir kommen desto stärker wird der Wind. Logischerweise wird es auch immer kälter je höher wir kommen, doch vom Frost am Übergang bleiben wir verschont. Allerdings auch von der Sicht. Wir haben null Sicht hier oben. Die wenigen Meter zum Gipfel rentieren sich auch nicht. Wir müssen aufpassen nicht davon geblasen zu werden. Ein falscher Tritt hier oben verbunden mit einer dieser Windböen und der Absturz ist vorprogrammiert. Schön, dass der Abstieg auf der Windabgewandten Seite erfolgt. Die seilgesicherten Passagen sind für Geübte problemlos ohne Klettersteigset zu bewältigen. Nach zwei Drittel des Abstiegs klart es kurz auf. Jedoch kommen nur wenige der Wanderer die an diesem Tag über das Schönbichler Horn laufen in den Genuss von Aussicht. Die Abstiegshöhenmeter zur Berliner Hütte ziehen sich dahin, doch jeder Abstieg hat ein Ende und wir sind an der Berliner Hütte, oder soll ich sagen Berliner Schloß angelangt. So was haben wir noch nicht gesehen. In diesem holzgetäfelten Altbau-Gastraum, eigentlich müsste es Speisesaal heißen, haben vom Volumen her locker einige Gasträume  kleinerer Hütten Platz! Auch das Treppenhaus ist nicht von schlechten Eltern. Auch hier wurde mit Platz nicht gegeizt. Da hat sich die Berliner Sektion seinerzeit ein Denkmal gesetzt.

6. Tag (9. September) Berliner Hütte – Greizer Hütte

Morgenstund hat Gold… nee Schnee im Mund. Ja, über Nacht hat es Neuschnee gegeben, und wenn an der Hütte schon so viel liegt, dann wird es weiter oben nicht weniger sein. Dank unserer Tischnachbarn, die zu dritt sind, müssen wir uns um die Wegsuche erst mal nicht kümmern und folgen den Spuren aufmerksam, versichern uns jedoch immer wieder, dass wir auf dem richtigen Weg bleiben. Bis auf einmal lagen die drei auch immer richtig. Dass die Spurensuche aufwändig ist sehen wir, als wir die drei trotz einer Stunde Vorsprung noch vor der Mörchenscharte einholen. Hier oben hat es wie vermutet mehr geschneit. Zudem beginnt es zu schneien. Nach einer kurzen Pause brechen wir auf und beginnen der Seilversicherung bergab zu folgen. Ohne die Wegführung durch das Stahlseil wird die anschließende Wegsuche zum Abenteuer, da er nicht zu sehen ist. Mühsam suchen wir den Weg, finden ihn aber nicht. Nicht ganz ungefährlich ist der Abstieg querfeldein, bei dem man nie weiß wie weit man beim nächsten Schritt einsinkt. Nur ein wenig oder gleich bis zur Hüfte? wir verlieren viel Zeit. Trotz eines vorhandenen Navigationsgeräts finden wir den Weg nicht bis wir an einer Stelle weiter unten keine Wahl mehr haben, da es nur nach links oder rechts weiter ging. Dort haben wir ihn schließlich auch wieder gefunden. Letztendlich war der eigentliche Verlauf, leider uneinsehbar, nur wenige Meter links neben uns. Ungefährlich war der Ausflug in das Geröllfeld nicht. Jederzeit hätte jemand umknicken oder schlimmeres passieren können. Der restliche Abstieg war unkompliziert. Jedoch sehen wir das Tagesziel lange bevor wir es erreichen. Wir müssen bis ins Tal hinunter um auf der anderen Seite wieder ca. 1 Stunde zur Greizer Hütte aufzusteigen.

7. Tag (10. September) Greizer Hütte – Kasseler Hütte

Heute machen sich Schnupfensymptome bemerkbar. Irgendwo hat es uns wohl erwischt, sowohl Gregor als auch mich. Trotzdem wollen wir mit Anna und Jens den Aufstieg zum Gigalitz versuchen. Schnell ist der Weg jedoch wieder schneebedeckt und schließlich auch eisig. Nachdem wir in der angegebenen Aufstiegszeit gerade einmal die Hälfte des Weges zum Gipfel geschafft haben, geben wir auf und drehen um, es ist einfach zu gefährlich. Ein falscher Schritt… Zurück auf dem Weg zur Kasseler Hütte überqueren wir unkompliziert die Lappenscharte bei einsetzendem Schneefall. Nach der Scharte ist die Hütte wieder mal weithin zu sehen. Noch etliche Stunden sollten vergehen bis wir ankommen. Die Schnupfensymptome machen es nicht einfacher. Nach dem wir das mitten in der Natur aufgestellte Kunstobjekt, eine durchschreitbare rote(?) Tür mit Rahmen hinter uns gelassen haben sind es nur noch wenige Meter bis zur Kasseler Hütte. Die beiden Hüttenwirte haben sowohl die Hüttenorganisation gut im Griff, ihre Gäste aber auch! Sogar eine Sauna gibt es hier (auf Vorbestellung wird angeheizt).

8. Tag (11. September) Kasseler Hütte – Edelhütte (Aschaffenburger Höhenweg)

Gregor geht es zu schlecht um die zweite Königsetappe des Berliner Höhenwegs in Angriff zu nehmen. Hier trennten sich unsere Wege, nachdem Gregor mir versichert hat, dass es für ihn in Ordnung geht, alleine abzusteigen.  Mich hat der Ehrgeiz gepackt, da ich Rundweg vollenden wollte und weiß, hierher komme ich wahrscheinlich nie wieder. Ich schließe mich bei Anna und Jens an, was ganz gut klappt. Heute haben wir zum ersten Mal seit Beginn der Wanderung fast blauen Himmer. Wie schön!.  Meine Erkältung behindert mich nicht allzu sehr. Den Weg selber haben die Wirte für Ungeübte als wirklich schwer angekündigt. Manche sollen hier schon 15 Stunden gebraucht haben. Bei nassem Wetter kann die Landkartenflechte die auf dem Blockschotter zahlreich vertreten ist sehr rutschig werden. Das erschwert bei schlechten Bedingungen das Springen von Stein zu Stein. Wir haben aber gutes Wetter, alle sind trittsicher uns meistern die ca. 60% Stein zu Stein Springerei ohne Probleme. Zeit verliert hier, wer nicht absolut trittsicher ist und das Tempo auf den Springpassagen nicht halten kann. Das addiert sich auf die Länge der Passagen entsprechend auf. Es gibt eine größere Seilgesicherte Passage. Die Edelhütte erreichen wir ohne Probleme, nicht ohne uns ausgiebig vor dem Abstieg ausgiebig in der Sonne ausgeruht zu haben.

9. Tag (12. September) Edelhütte – Speicher Stillup

Ja, jetzt heißt es wieder zurück zur Zivilisation. Nun trennen sich unsere Wege. Anna und Jens fahren mit der Seilbahn nach Mayerhofen, ich habe noch etwas Zeit steige Richtung Stilluper Speicher ab. Leider muss ich feststellen, dass der Weg wegen Steinschlag offiziell gesperrt ist. Die Wirtin an der Schafhütte gibt mir zu verstehen (natürlich ohne Gewähr), dass der Weg problemlos zu bewältigen und sogar noch markiert ist. Mit etwas unguten Gefühl im Magen laufe ich schnell an den gefährlichen Passagen vorbei und stehe schließlich unten auf der Straße. Nun beginnt eine kleine Odyssee, da die Bergtaxis erst am späten Nachmittag fahren. Das hätte ich vorher besser planen müssen. Da ich keine Lust habe zu warten, lief ich los gen Tal und mit mir noch ein Belgier, denn ich kaum verstanden habe. Doch der Abstieg auf der Straße blieb uns erspart. Ein nicht im Dienst befindliches Bergtaxe nahm uns gegen Zahlung von Beförderungsentgelt mit in Tal. Dort nahm ich den Bus zurück zum Auto und machte mich schwermütig auf die Heimreise

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Tourenberichte

Dolomiten Rundtour 7 Tage

Schwierigkeit – Anforderungen der Dolomitenrundtour

 

Vor dem ausführlichen Bericht eine subjektive Kurzzusammenfassung für diejenigen, die Informationen suchen, weil sie die Tour selber gehen wollen

Einige der Etappen, besonders der zweite und dritte Tag erfordern eine gewisse Kondition. Sie sind sehr lang und verlangen Erfahrung bei Klettersteigen und Ausdauer für 8 Stunden Touren inkl. Klettersteige. Mein Ziel war, möglichst lange nicht ins Tag absteigen zu müssen. Von daher kreuzen sich  bei dieser Etappe die Wege, bzw. bin ich manche davon sogar zweimal gegangen (Alpinisteig und zweite Übernachtung auf der Zsigmondy-Hütte).

1. Tag, Sonntag:

Anreise Fischleinboden – Talschlußhütte – Zsigmondy-Hütte

Die Anreise erfolgt sehr spät wegen des „Familientreffens“ in Reichersbeuern bei meiner Schwester Petra. Die Abfahrt um 14 Uhr! Ups, das war zu spät! Also doch Maut, Maut, Maut, nachdem die Touristen am Achensee nur so vor sich dahin kriechen. Gleiches Spiel von Brixen nach Sexten, Wohnmobile und völlig überladene Kombis bremsen den Verkehr. Aber auch ohne diese Bremser ist die Straße total überlastet und es geht nur langsam voran. Der nächste Schock: Parken am Fischleinboden: 3 € pro Tag. Leider hatte ich keine Wahl, und musste drauf.

Der Aufstieg zur Zsigmondy-Hütte ist warm und ungewohnt, vorbei am Cima Una an dem noch deutlich der Felssturz vom Vorjahr zu sehen ist. Die Hütte: Voll! Oh Schreck, das kann ja eine tolle Woche werden, wenn das so weiter geht. Grrr! Wegen der Spätankunft (20 Uhr) habe ich nur noch eine Suppe bekommen. Ich lerne Elke und Dirk aus Bamberg kennen, die zufällig die gleiche Planung haben wie ich, und auch zur Berti-Hütte gehen wollen. Bei der Variante, ob über die Hochbrunner Schneid oder über die beiden Klettersteige der Sextener Rotwand, sind wir zur gleichen Entscheidung gekommen. Lieber erst ein paar Stunden laufen und dann entscheiden, ob der Klettersteig noch geht oder nicht, als mit einem Dreitausender zu beginnen! Der letzte Schock des Tages: Auch das Lager ist natürlich voll – Dank Ohrenstöpsel kein Problem.

2. Tag Montag:

Zsigmondy-Hütte – Alpinisteig – Vie Ferrata Mario Zandonella – Berti-Hütte

Der erste Anstieg fällt schwer, doch nach und nach knirschen sich die Knochen ein, und der Spaßfaktor steigt. Der Ausblick wunderbar! Der Alpinisteig verläuft wie ein Steig, ohne große Schwierigkeiten, doch die Höhe ist deutlich zu spüren (Luft!). Ich brauche noch viele neue rote Blutkörperchen für die nächsten Tage!!!

Der Klettersteig Mario Zandonalla ist nicht ohne, da es wenig Tritte gibt und auch die Griffe nicht so dick gesät sind. So greife ich doch öfters mal ins Seil. Die Österreichische Truppe vor uns ist ein bisschen nervig. Am Gipfel wird das auch nicht besser, aber aufregen tue ich mich nicht, dazu fehlt mir schon ein bisschen die Energie. Im Abstieg meldet sich auch die Kondition langsam zu Wort, jeder Schritt im kleinsten Gegenanstieg merke ich. Leider ist die Hütte schon seit Ewigkeiten zu sehen, und sie kommt einfach nicht näher…

Doch irgendwann hat das Leiden ein Ende und wir laufen in die fast „leere“ Hütte ein. Wer hätte das gedacht nach dem Ansturm auf der anderen Hütte. Sogar eine Dusche gibt es heute, die haben wir uns auch verdient, trotz der sündhaft teuren 5 Euro die sie kostet. Der Wirt dort ist genauso brummelig wie der auf der Zsigmondy Hütte. Ich frage mich, warum die Wirt geworden sind wenn es Ihnen kein Spaß macht? Frisch geduscht essen wir, und es braucht heute schon zwei Portionen um satt zu werden. Das Essen ist zwar gut, aber ein Bergsteiger wird nicht satt davon! Nachdem der Gastraum eiskalt ist verschwinden wir bald müde im warmen Bett.

3. Tag Dienstag

Via Ferrata Roghel – via ferrata Cengai Gabriella – Carducci-Hütte

Wir haben gut geschlafen. Aufbruch in Richtung Tagesziel. Doch Überraschung, der Weg nimmt nicht den schönen Verlauf, den man von der Hütte aus sieht. An einer Gabelung geht es plötzlich direkt bergauf, ganz in der Nähe des Hangs wo ganz viele ihre Namen oder kleine Nachrichten in die Wiese gelegt haben. Schön anzusehen! Der Klettersteig heute ist wesentlich angenehmer, da er einfach mehr Tritte und Griffe hat als der gestrige. Die Schwierigkeit hier ist eher die Länge der Steige als die Ansprüche der beiden Ferrata!

Im Abstieg des Roghel begegnen uns zwei Trekker (Ein Ami und eine Deutsche) mit mindestens 20 Kilo Gepäck auf dem Rücken, die in der Biwakschachtel zwischen den beiden Klettersteigen übernachtet hatten. Komplett ohne Ausrüstung wollen sie bei einsetzenden Schneefall(richtig gelesen! Schnee im Juli!) den Klettersteig begehen. Mühsam konnten wir sie davon abbringen, was die beiden Bergsteiger, die den gleichen Weg hatten wie wir schon vergeblich versucht hatten. Wie kann man nur so leichtsinnig sein!

Auf der Carducci-Hütte treffen wir auf den ersten gutgelaunten Hüttenwirt, der sogar aussieht wie einer! Das Essen hier schmeckt sehr gut, doch wie auch in der letzten Hütte auch, es ist einfach zu wenig. Die Knödeltriologie ist sehr lecker, und die dritte Sorte gibt es hier mit Roter Beete – kannte ich bisher auch noch nicht. Dazu werden wir noch mit einem holzfeuergewärmten Gastraum verwöhnt. Was will man mehr nach einem anstrengenden Tag?

4. Tag Mittwoch

Zsigmondy-Hütte – Bülelejoch-Hütte – Drei Zinnen Hütte (Toblinger Knoten, Ostferrata)

Das Wetter ist uns immer noch freundlich gesinnt, doch heute weht ein schneidiger kalter Nordostwind. Gott sei Dank habe ich immer alles dabei (Mütze!). Heute lassen wir es gemütlich angehen, nachdem es die letzten zwei Tage in sich hatten. Wir verabschieden uns noch von einem Forstarbeiter der zur Wegewartung abgestellt worden ist. Vorsichtshalber reserviere ich beim Vorbeigehen noch in der Zsigmondy-Hütte, da ich dort noch mal vorbei kommen werde. Ebenso reserviere ich im vorbeigehen auf der superschönen Bülelejoch-Hütte (Privathütte), wo ich wirklich Glück habe, dass ich noch ein Platz abkriege, in einer der schönsten kleinen Hütten der Gegend oder vielleicht der ganzen Dolomiten? Je näher wir dem Tagesziel kommen desto mehr nehmen die Menschenmassen zu. Die Drei Zinnen Hütte ist halt eine italienische Pilgerstätte! Nachdem wir uns eingenistet haben, brechen wir zum Toblingerknoten auf. Leider ist der klassische Leiternsteig gesperrt, und wir müssen den Ostaufstieg rauf wie runter. Auch hier treffen wir wieder Leute die sich im Klettersteig bewegen, aber keine Ahnung von der Materie haben. Klettersteigsets auf dem Stand vor 20 Jahren. Ich habe der Familie einen kleinen Kniff mit gegenläufig eingesetzten Karabiner gezeigt, ob sie es beherzigen?

Auf der Hütte gibt ein Treffen mit den „Gipfelsammelnden“ Österreichern die schon seit der Zsigmondy-Hütte den gleichen Weg haben wie wir. Froh sind wir, in der warmen Gaststube Platz nehmen zu können, der Wind ist immer noch schneidend kalt draußen. Zu uns gesellen sich zwei junge Frauen aus Bonn, die mir beim Einchecken schon aufgefallen sind, so schüchtern wie sie wirkten. Schnell finden wir heraus warum, denn die beiden sind das erste mal am Berg, und kennen die Gepflogenheiten auf den Hütten nicht, wo man sich einfach irgendwo dazu setzt und ins Gespräch kommt. Wir geben Ihnen eine kurze Einführung, wie es am Berg zugeht, und wie man sich vor Touren informiert. Die Drei Zinnen Makkaroni waren eine gute Wahl, die Portion so reichlich, das ich wirklich satt geworden bin. Leider hatte ich für den Kaiserschmarrn der auch sehr lecker aussah keinen Platz mehr.

5. Tag Donnerstag

SentieroTre Cime di Lavaredo (Drei Zinnen Rundweg) – Gesicherter Kriegssteig Paternkofel – Schartenweg – Bülelejoch Hütte

Gut habe ich mit dem Drei Zinnen Blick geschlafen, wenn ich im Schlaf auch nicht allzu viel davon bemerkt habe. Wir trinken noch zusammen Kaffee, nachdem der Gastraum in der fast militärisch geführten Hütte um 7 Uhr 0 Minuten und 0 Sekunden aufgesperrt wurde. Dann steht die Trennung von Elke und Dirk an, die heute absteigen und in Richtung Meer weiter fahren, allerdings nicht ohne mir ihre nicht mehr benötigten Vorräte zu überlassen, für die ich sehr dankbar bin. Ich hoffe wir ziehen mal wieder gemeinsam los! Die Zinnenrunde begann unspektakulär, außer dass mir an der Lavaredo-Hütte der Trinkschlauch ausgelaufen ist. Spannender wurde es, als ich einen anspruchsvolleren Pfad entlang lief, der etwas angenehmer was als der ausgetretene Touristenpfad. Doch der endete in zwischen zwei der niedrigeren Zinnen. Dort traf ich zwei Typen, die in einer Höhle biwakiert hatten. Auf meine Frage ob ich auf der anderen Seite absteigen kann sagten sie, es geht schon irgendwie. Nun hatte ich mein kleines Abenteuer. Der Abstieg war sausteil, und der Einstieg zum Abstieg wollte auch erst mal gefunden werden. Nach ein bisschen Sucherei war ich im Schotterfeld und kämpfte mich hinunter. Ich möchte nicht wissen wie viele Augen mich dabei von der Hütte aus beobachtet haben. Dafür habe ich abseits vom im Abstieg eine alte Handgranate gefunden, fotografisch dokumentiert, und lieber liegen gelassen. Man weiß ja nie…

Der Kriegssteig zum Paternkofel zum Teil „unter Tage“ war richtig schön. Nicht anspruchsvoll aber immer wieder neue Ausblicke durch Fenster die als Ausblicke im Krieg dienten. Im Abstieg treffe ich letztmalig die Österreicher, die nun wirklich in eine andere Richtung weiter gehen. Ist schon lustig wenn man länger im gleichen Gebiet ist, wie oft man sich begegnet! Auf der Bülelejoch Hütte musste ich mich endlich mal waschen. Ich muss doch schon gegen den Wind zu riechen sein. Vor allem die Hose bedurfte einer dringenden Reinigung. Anschließend spaziere ich noch auf den Hausberg der Hütte, die Oberbachernspitze. Heute gibt es Halbpension! Die Jungs in der Carducci-Hütte, die die Bülelejochhütte hoch gelobt hatten, haben nicht zu viel versprochen. Leider waren nur Italiener am Tisch. Von der Familie am Tisch gab sich der Vater ein bisschen Mühe und grub seine letzten Brocken Englisch aus. Er war glaube ich ein wenig neidisch auf meinen Tourenverlauf. Mit Familie geht das halt nicht. Die Halbpension bzw. das Abendessen im Einzelnen:
Bruscetta
Primi Platti: Schlutzkrapfen
Secondi Platti: Gulasch mit Knödel, dazu Salat vom Buffet(!)
Dolce: Apfelstrudel

Traumhaft der Sonnenuntergang, Alpenglühen wie man es sich vorstellt. Leider weniger toll auf der Hütte, die Nacht, da es in dem Gastraum indem man auch schläft einfach viel zu warm war und keiner ein Fenster aufgemacht hat.

6. Tag Freitag

Gesicherter Kriegssteig zur Zwölferscharte – Hochbrunner Schneid – Zsigmondy-Hütte

Tatsächlich habe ich es geschafft um 5 Uhr aufzustehen um den Sonnenaufgang auf der Oberbachernspitze erleben zur dürfen. Die Fortsetzung der Halbpension bestand aus einem opulenten Frühstück in Buffetform, das dem Abendessen in nichts nachstand. Mit der gewonnenen Energie vom Frühstück sollte die Hochbrunner Schneid zu schaffen sein. Am Abzweig Alpinisteig/Bertihütte traf ich wieder mal Wanderer mit denen wir uns im Schlafsaal der Drei Zinnen Hütte unterhalten habe. Langsam kenne ich hier bald jeden… Der Aufstieg, der zum Teil im I. Bereich liegen soll, war zwar steil, dennoch war ich nach 1:40 h am Gipfel angelangt. Neben dem genialen Ausblick konnte ich von dort aus gut den Wegeverlauf der ersten beiden Wandertage nachvollziehen (Zandonella, Roghel). Nach 1 Stunde Abstieg war ich wieder unten. In der Hütte richtete ich mich ein, und ging dann auf Murmeltierjagd. Auf dem Weg zur Bülelejoch Hütte hatten wir ja genug gesehen. Nachdem ich von meinem erfolgreichen „Foto-Shooting“ zurück war habe ich mich frisch gemacht, und wollte gerade meinen Feierabend genießen, als jemand die Treppe zur Veranda bei der Hütte im wahrsten Sinne des Wortes empor kroch. Wie kann man denn so fertig aussehen? Meine Neugier war geweckt! In dem Gespräch stellte sie heraus, es waren Franken aus der Gegend von Bamberg. Jedenfalls war der Typ total fertig, weil er sich nicht vorbereitet hatte, und dazu noch in Sneakers unterwegs, weil sich seine Wanderschuhe am Ausgangspunkt aufgelöst haben. Dabei wollten sie noch zur Bülelejoch Hütte. Der Typ jedenfalls hatte eine Krankheit aufgrund derer er leider etwas eingeschränkt war, dazu kam dass er sich selbst „etwas“ überschätzt hat. Was soll es. Ich habe Ihnen jedenfalls geholfen und den Rucksack ein Stück zur Bülelejochhütte hochgetragen, dass war das wenigste was ich tun konnte. Zurück gesellte ich mich zu den Frankfurtern, die ich vorher schon kennen gelernt hatte und verbrachte den Rest des Abends bei Schnaps und Wein.

7. Tag Samstag

Zsigmondy Hütte – Alpinisteig – Rotwandköpfe – Rudihütte – Fischleinboden

Um 6 Uhr wurde es schon unruhig im Lager und die Nacht war vorbei. Der Vorteil, ich konnte schon um 5 nach 7 Uhr aufbrechen. Der Alpinisteig war diesmal deutlich leichter, und immer noch sehr schön, selbst beim zweiten Mal innerhalb so kurzer Zeit. Der Abstieg zum Rotwandklettersteig war dann deutlich schwieriger als der Alpinisteig. Nun zeigt sich, dass es gut war so früh aufzubrechen, denn es zieht sich langsam zu und über den Drei Zinnen, die von hier aus zu sehen sind, sieht es ziemlich gewittrig aus. Auch mich erwischt ein kurzer Schauer – wenigstens habe ich die Regenschutzkleidung nicht umsonst mitgenommen. Der Abstieg zur Rudihütte verlief abwechslungsreich durch Latschenkiefern und ansehnlich Felsstrukturen. Nach kurzer Stärkung auf der Rudi-Hütte kommt der finale Knieschmerzende Abstieg zum Fischleinboden. Am Parkplatz habe ich dann 18,50 Euro für Parken gelatzt und wehmütig nach der schönen Zeit in den Bergen die Heimreise angetreten.

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