Dolomiten Rundtour 7 Tage

Dolomiten Rundtour 7 Tage

Schwierigkeit – Anforderungen der Dolomitenrundtour

 

Vor dem ausführlichen Bericht eine subjektive Kurzzusammenfassung für diejenigen, die Informationen suchen, weil sie die Tour selber gehen wollen

Einige der Etappen, besonders der zweite und dritte Tag erfordern eine gewisse Kondition. Sie sind sehr lang und verlangen Erfahrung bei Klettersteigen und Ausdauer für 8 Stunden Touren inkl. Klettersteige. Mein Ziel war, möglichst lange nicht ins Tag absteigen zu müssen. Von daher kreuzen sich  bei dieser Etappe die Wege, bzw. bin ich manche davon sogar zweimal gegangen (Alpinisteig und zweite Übernachtung auf der Zsigmondy-Hütte).

1. Tag, Sonntag:

Anreise Fischleinboden – Talschlußhütte – Zsigmondy-Hütte

Die Anreise erfolgt sehr spät wegen des „Familientreffens“ in Reichersbeuern bei meiner Schwester Petra. Die Abfahrt um 14 Uhr! Ups, das war zu spät! Also doch Maut, Maut, Maut, nachdem die Touristen am Achensee nur so vor sich dahin kriechen. Gleiches Spiel von Brixen nach Sexten, Wohnmobile und völlig überladene Kombis bremsen den Verkehr. Aber auch ohne diese Bremser ist die Straße total überlastet und es geht nur langsam voran. Der nächste Schock: Parken am Fischleinboden: 3 € pro Tag. Leider hatte ich keine Wahl, und musste drauf.

Der Aufstieg zur Zsigmondy-Hütte ist warm und ungewohnt, vorbei am Cima Una an dem noch deutlich der Felssturz vom Vorjahr zu sehen ist. Die Hütte: Voll! Oh Schreck, das kann ja eine tolle Woche werden, wenn das so weiter geht. Grrr! Wegen der Spätankunft (20 Uhr) habe ich nur noch eine Suppe bekommen. Ich lerne Elke und Dirk aus Bamberg kennen, die zufällig die gleiche Planung haben wie ich, und auch zur Berti-Hütte gehen wollen. Bei der Variante, ob über die Hochbrunner Schneid oder über die beiden Klettersteige der Sextener Rotwand, sind wir zur gleichen Entscheidung gekommen. Lieber erst ein paar Stunden laufen und dann entscheiden, ob der Klettersteig noch geht oder nicht, als mit einem Dreitausender zu beginnen! Der letzte Schock des Tages: Auch das Lager ist natürlich voll – Dank Ohrenstöpsel kein Problem.

2. Tag Montag:

Zsigmondy-Hütte – Alpinisteig – Vie Ferrata Mario Zandonella – Berti-Hütte

Der erste Anstieg fällt schwer, doch nach und nach knirschen sich die Knochen ein, und der Spaßfaktor steigt. Der Ausblick wunderbar! Der Alpinisteig verläuft wie ein Steig, ohne große Schwierigkeiten, doch die Höhe ist deutlich zu spüren (Luft!). Ich brauche noch viele neue rote Blutkörperchen für die nächsten Tage!!!

Der Klettersteig Mario Zandonalla ist nicht ohne, da es wenig Tritte gibt und auch die Griffe nicht so dick gesät sind. So greife ich doch öfters mal ins Seil. Die Österreichische Truppe vor uns ist ein bisschen nervig. Am Gipfel wird das auch nicht besser, aber aufregen tue ich mich nicht, dazu fehlt mir schon ein bisschen die Energie. Im Abstieg meldet sich auch die Kondition langsam zu Wort, jeder Schritt im kleinsten Gegenanstieg merke ich. Leider ist die Hütte schon seit Ewigkeiten zu sehen, und sie kommt einfach nicht näher…

Doch irgendwann hat das Leiden ein Ende und wir laufen in die fast „leere“ Hütte ein. Wer hätte das gedacht nach dem Ansturm auf der anderen Hütte. Sogar eine Dusche gibt es heute, die haben wir uns auch verdient, trotz der sündhaft teuren 5 Euro die sie kostet. Der Wirt dort ist genauso brummelig wie der auf der Zsigmondy Hütte. Ich frage mich, warum die Wirt geworden sind wenn es Ihnen kein Spaß macht? Frisch geduscht essen wir, und es braucht heute schon zwei Portionen um satt zu werden. Das Essen ist zwar gut, aber ein Bergsteiger wird nicht satt davon! Nachdem der Gastraum eiskalt ist verschwinden wir bald müde im warmen Bett.

3. Tag Dienstag

Via Ferrata Roghel – via ferrata Cengai Gabriella – Carducci-Hütte

Wir haben gut geschlafen. Aufbruch in Richtung Tagesziel. Doch Überraschung, der Weg nimmt nicht den schönen Verlauf, den man von der Hütte aus sieht. An einer Gabelung geht es plötzlich direkt bergauf, ganz in der Nähe des Hangs wo ganz viele ihre Namen oder kleine Nachrichten in die Wiese gelegt haben. Schön anzusehen! Der Klettersteig heute ist wesentlich angenehmer, da er einfach mehr Tritte und Griffe hat als der gestrige. Die Schwierigkeit hier ist eher die Länge der Steige als die Ansprüche der beiden Ferrata!

Im Abstieg des Roghel begegnen uns zwei Trekker (Ein Ami und eine Deutsche) mit mindestens 20 Kilo Gepäck auf dem Rücken, die in der Biwakschachtel zwischen den beiden Klettersteigen übernachtet hatten. Komplett ohne Ausrüstung wollen sie bei einsetzenden Schneefall(richtig gelesen! Schnee im Juli!) den Klettersteig begehen. Mühsam konnten wir sie davon abbringen, was die beiden Bergsteiger, die den gleichen Weg hatten wie wir schon vergeblich versucht hatten. Wie kann man nur so leichtsinnig sein!

Auf der Carducci-Hütte treffen wir auf den ersten gutgelaunten Hüttenwirt, der sogar aussieht wie einer! Das Essen hier schmeckt sehr gut, doch wie auch in der letzten Hütte auch, es ist einfach zu wenig. Die Knödeltriologie ist sehr lecker, und die dritte Sorte gibt es hier mit Roter Beete – kannte ich bisher auch noch nicht. Dazu werden wir noch mit einem holzfeuergewärmten Gastraum verwöhnt. Was will man mehr nach einem anstrengenden Tag?

4. Tag Mittwoch

Zsigmondy-Hütte – Bülelejoch-Hütte – Drei Zinnen Hütte (Toblinger Knoten, Ostferrata)

Das Wetter ist uns immer noch freundlich gesinnt, doch heute weht ein schneidiger kalter Nordostwind. Gott sei Dank habe ich immer alles dabei (Mütze!). Heute lassen wir es gemütlich angehen, nachdem es die letzten zwei Tage in sich hatten. Wir verabschieden uns noch von einem Forstarbeiter der zur Wegewartung abgestellt worden ist. Vorsichtshalber reserviere ich beim Vorbeigehen noch in der Zsigmondy-Hütte, da ich dort noch mal vorbei kommen werde. Ebenso reserviere ich im vorbeigehen auf der superschönen Bülelejoch-Hütte (Privathütte), wo ich wirklich Glück habe, dass ich noch ein Platz abkriege, in einer der schönsten kleinen Hütten der Gegend oder vielleicht der ganzen Dolomiten? Je näher wir dem Tagesziel kommen desto mehr nehmen die Menschenmassen zu. Die Drei Zinnen Hütte ist halt eine italienische Pilgerstätte! Nachdem wir uns eingenistet haben, brechen wir zum Toblingerknoten auf. Leider ist der klassische Leiternsteig gesperrt, und wir müssen den Ostaufstieg rauf wie runter. Auch hier treffen wir wieder Leute die sich im Klettersteig bewegen, aber keine Ahnung von der Materie haben. Klettersteigsets auf dem Stand vor 20 Jahren. Ich habe der Familie einen kleinen Kniff mit gegenläufig eingesetzten Karabiner gezeigt, ob sie es beherzigen?

Auf der Hütte gibt ein Treffen mit den „Gipfelsammelnden“ Österreichern die schon seit der Zsigmondy-Hütte den gleichen Weg haben wie wir. Froh sind wir, in der warmen Gaststube Platz nehmen zu können, der Wind ist immer noch schneidend kalt draußen. Zu uns gesellen sich zwei junge Frauen aus Bonn, die mir beim Einchecken schon aufgefallen sind, so schüchtern wie sie wirkten. Schnell finden wir heraus warum, denn die beiden sind das erste mal am Berg, und kennen die Gepflogenheiten auf den Hütten nicht, wo man sich einfach irgendwo dazu setzt und ins Gespräch kommt. Wir geben Ihnen eine kurze Einführung, wie es am Berg zugeht, und wie man sich vor Touren informiert. Die Drei Zinnen Makkaroni waren eine gute Wahl, die Portion so reichlich, das ich wirklich satt geworden bin. Leider hatte ich für den Kaiserschmarrn der auch sehr lecker aussah keinen Platz mehr.

5. Tag Donnerstag

SentieroTre Cime di Lavaredo (Drei Zinnen Rundweg) – Gesicherter Kriegssteig Paternkofel – Schartenweg – Bülelejoch Hütte

Gut habe ich mit dem Drei Zinnen Blick geschlafen, wenn ich im Schlaf auch nicht allzu viel davon bemerkt habe. Wir trinken noch zusammen Kaffee, nachdem der Gastraum in der fast militärisch geführten Hütte um 7 Uhr 0 Minuten und 0 Sekunden aufgesperrt wurde. Dann steht die Trennung von Elke und Dirk an, die heute absteigen und in Richtung Meer weiter fahren, allerdings nicht ohne mir ihre nicht mehr benötigten Vorräte zu überlassen, für die ich sehr dankbar bin. Ich hoffe wir ziehen mal wieder gemeinsam los! Die Zinnenrunde begann unspektakulär, außer dass mir an der Lavaredo-Hütte der Trinkschlauch ausgelaufen ist. Spannender wurde es, als ich einen anspruchsvolleren Pfad entlang lief, der etwas angenehmer was als der ausgetretene Touristenpfad. Doch der endete in zwischen zwei der niedrigeren Zinnen. Dort traf ich zwei Typen, die in einer Höhle biwakiert hatten. Auf meine Frage ob ich auf der anderen Seite absteigen kann sagten sie, es geht schon irgendwie. Nun hatte ich mein kleines Abenteuer. Der Abstieg war sausteil, und der Einstieg zum Abstieg wollte auch erst mal gefunden werden. Nach ein bisschen Sucherei war ich im Schotterfeld und kämpfte mich hinunter. Ich möchte nicht wissen wie viele Augen mich dabei von der Hütte aus beobachtet haben. Dafür habe ich abseits vom im Abstieg eine alte Handgranate gefunden, fotografisch dokumentiert, und lieber liegen gelassen. Man weiß ja nie…

Der Kriegssteig zum Paternkofel zum Teil „unter Tage“ war richtig schön. Nicht anspruchsvoll aber immer wieder neue Ausblicke durch Fenster die als Ausblicke im Krieg dienten. Im Abstieg treffe ich letztmalig die Österreicher, die nun wirklich in eine andere Richtung weiter gehen. Ist schon lustig wenn man länger im gleichen Gebiet ist, wie oft man sich begegnet! Auf der Bülelejoch Hütte musste ich mich endlich mal waschen. Ich muss doch schon gegen den Wind zu riechen sein. Vor allem die Hose bedurfte einer dringenden Reinigung. Anschließend spaziere ich noch auf den Hausberg der Hütte, die Oberbachernspitze. Heute gibt es Halbpension! Die Jungs in der Carducci-Hütte, die die Bülelejochhütte hoch gelobt hatten, haben nicht zu viel versprochen. Leider waren nur Italiener am Tisch. Von der Familie am Tisch gab sich der Vater ein bisschen Mühe und grub seine letzten Brocken Englisch aus. Er war glaube ich ein wenig neidisch auf meinen Tourenverlauf. Mit Familie geht das halt nicht. Die Halbpension bzw. das Abendessen im Einzelnen:
Bruscetta
Primi Platti: Schlutzkrapfen
Secondi Platti: Gulasch mit Knödel, dazu Salat vom Buffet(!)
Dolce: Apfelstrudel

Traumhaft der Sonnenuntergang, Alpenglühen wie man es sich vorstellt. Leider weniger toll auf der Hütte, die Nacht, da es in dem Gastraum indem man auch schläft einfach viel zu warm war und keiner ein Fenster aufgemacht hat.

6. Tag Freitag

Gesicherter Kriegssteig zur Zwölferscharte – Hochbrunner Schneid – Zsigmondy-Hütte

Tatsächlich habe ich es geschafft um 5 Uhr aufzustehen um den Sonnenaufgang auf der Oberbachernspitze erleben zur dürfen. Die Fortsetzung der Halbpension bestand aus einem opulenten Frühstück in Buffetform, das dem Abendessen in nichts nachstand. Mit der gewonnenen Energie vom Frühstück sollte die Hochbrunner Schneid zu schaffen sein. Am Abzweig Alpinisteig/Bertihütte traf ich wieder mal Wanderer mit denen wir uns im Schlafsaal der Drei Zinnen Hütte unterhalten habe. Langsam kenne ich hier bald jeden… Der Aufstieg, der zum Teil im I. Bereich liegen soll, war zwar steil, dennoch war ich nach 1:40 h am Gipfel angelangt. Neben dem genialen Ausblick konnte ich von dort aus gut den Wegeverlauf der ersten beiden Wandertage nachvollziehen (Zandonella, Roghel). Nach 1 Stunde Abstieg war ich wieder unten. In der Hütte richtete ich mich ein, und ging dann auf Murmeltierjagd. Auf dem Weg zur Bülelejoch Hütte hatten wir ja genug gesehen. Nachdem ich von meinem erfolgreichen „Foto-Shooting“ zurück war habe ich mich frisch gemacht, und wollte gerade meinen Feierabend genießen, als jemand die Treppe zur Veranda bei der Hütte im wahrsten Sinne des Wortes empor kroch. Wie kann man denn so fertig aussehen? Meine Neugier war geweckt! In dem Gespräch stellte sie heraus, es waren Franken aus der Gegend von Bamberg. Jedenfalls war der Typ total fertig, weil er sich nicht vorbereitet hatte, und dazu noch in Sneakers unterwegs, weil sich seine Wanderschuhe am Ausgangspunkt aufgelöst haben. Dabei wollten sie noch zur Bülelejoch Hütte. Der Typ jedenfalls hatte eine Krankheit aufgrund derer er leider etwas eingeschränkt war, dazu kam dass er sich selbst „etwas“ überschätzt hat. Was soll es. Ich habe Ihnen jedenfalls geholfen und den Rucksack ein Stück zur Bülelejochhütte hochgetragen, dass war das wenigste was ich tun konnte. Zurück gesellte ich mich zu den Frankfurtern, die ich vorher schon kennen gelernt hatte und verbrachte den Rest des Abends bei Schnaps und Wein.

7. Tag Samstag

Zsigmondy Hütte – Alpinisteig – Rotwandköpfe – Rudihütte – Fischleinboden

Um 6 Uhr wurde es schon unruhig im Lager und die Nacht war vorbei. Der Vorteil, ich konnte schon um 5 nach 7 Uhr aufbrechen. Der Alpinisteig war diesmal deutlich leichter, und immer noch sehr schön, selbst beim zweiten Mal innerhalb so kurzer Zeit. Der Abstieg zum Rotwandklettersteig war dann deutlich schwieriger als der Alpinisteig. Nun zeigt sich, dass es gut war so früh aufzubrechen, denn es zieht sich langsam zu und über den Drei Zinnen, die von hier aus zu sehen sind, sieht es ziemlich gewittrig aus. Auch mich erwischt ein kurzer Schauer – wenigstens habe ich die Regenschutzkleidung nicht umsonst mitgenommen. Der Abstieg zur Rudihütte verlief abwechslungsreich durch Latschenkiefern und ansehnlich Felsstrukturen. Nach kurzer Stärkung auf der Rudi-Hütte kommt der finale Knieschmerzende Abstieg zum Fischleinboden. Am Parkplatz habe ich dann 18,50 Euro für Parken gelatzt und wehmütig nach der schönen Zeit in den Bergen die Heimreise angetreten.

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